Songs über Prostitution
Bing Crosby Just a Gigolo

Das älteste Gewerbe der Welt muss in den wilden 20ern, als dieser Song geschrieben wurde, einen echten Boom erlebt haben. Er basiert auf einem österreichischen Gedicht über einen Husaren, der sich an seine Ruhmestaten während des Ersten Weltkriegs erinnert – und diese mit seinem derzeitigen Dasein als armer Gigolo vergleicht. Zuerst gab es inspiriert von diesem Gedicht einen deutschen und dann einen italienischen Song. 1931 nahm Bing Crosby die englische Version auf, inklusive einer neuen ersten Strophe, die die Handlung des Liedes in ein Pariser Café verlegte. Wahrscheinlich dachten die Verantwortlichen beim Plattenlabel, dass Frankreich ein etwas geeigneteres Setting für die skandalöse Geschichte eines Herren aus dem horizontalen Gewerbe sei. Man könnte jetzt anmerken, dass mit „Gigolo“ ja auch ganz unschuldig ein Eintänzer gemeint sein könnte. Aber der Songtext hält (zumindest in Bings Version) mit sexuellen Anspielungen nicht hinter dem Berg: „… as he strolls by ladies hear him say / ‚If you admire me, hire me‘ … Just a gigolo … Paid for every dance / Selling each romance …“ Oh, Monsieur!

Basket Case - Green Day

Sie fühlen sich leicht unruhig? Dann ist Basket Case entweder der beste oder der schlechteste Song, den Sie hören können, kommt ganz darauf an, wie draufgängerisch Sie sind. Die Punk-Hymne von Green Day aus dem Jahr 1994 kann nämlich ziemlich nervenaufreibend sein. Und dazu singt Frontmann Billie Joe Armstrong auch noch über seine Neurosen und darüber, wie er versucht, damit klarzukommen: „I went to a shrink / To analyse my dreams / She says it’s lack of sex that’s bringing me down / I went to a whore / He said my life’s a bore …“ Nach der Veröffentlichung gab es aber vor allem Diskussionen über die Verwendung der Pronomen in diesen Zeilen. Billie lüftete das Geheimnis um deren uneindeutige Verwendung 1995, als er sich als bisexuell outete. Er sagte damals, er habe absichtlich von einem männlichen Prostituierten gesungen – um das Publikum, aber auch sich selbst herauszufordern. Ziemlich mutig für Mitte der 90er. Im Grunde scheint besagter Herr aber für Billies hysterische Ausschweifungen nicht viel übrig zu haben. Hoffen wir, dass der Arme nie ein ganzes Green-Day-Album durchstehen musste.

Roxanne - The Police

Es ist eine Geschichte so alt wie die Zeit: Mann trifft Frau. Frau ist zufällig eine Prostituierte, Mann verliebt sich und wird unglaublich eifersüchtig, weil er nicht will, dass seine Freundin ihren Körper verkauft. Eigentlich ein Wunder, dass Disney diese Handlung noch nicht aufgegriffen hat! In diesem Police-Klassiker von 1978 singt Sting über Roxanne, eine Figur, die Violetta aus La Traviata ähnelt (oder Vivian aus Pretty Woman, falls sie sich bei kulturellen Referenzen hauptsächlich auf Julia-Roberts-Filme berufen möchten – was natürlich absolut legitim ist!). „Roxanne / You don’t have to wear that dress tonight / Walk the streets for money … I won’t share you with another boy“. Sting ist verliebt – auf liebenswürdig verurteilende Art und Weise. Nach wenigen Sekunden hört man am Beginn des Songs ein paar seltsame Klavierklänge und darauf Gelächter. Anscheinend hat sich Sting während der Aufnahme aus Versehen auf die Klaviertastatur gesetzt. Aber keine Sorge, der Sänger fängt sich schnell wieder und besinnt sich auf sein ursprüngliches Ansinnen: seine Geliebte daran zu erinnern, dass sie eine Prostituierte ist.

Queer - Garbage

Zeit, Großmutters Nippelklammern auszupacken und den familieneigenen Knebelball herauszukramen, denn Shirley Manson ist hier, um den gesamten Haushalt aufzumischen: In Queer (1995) nimmt die Garbage-Sängerin die Rolle einer herrischen Domina ein. Laut der Band ist der Song inspiriert vom Roman Brotherly Love, in dem ein Vater seinen Sohn zu einer Prostituierten mitnimmt, damit diese „einen Mann aus ihm macht“. Also: Überhaupt kein Druck hier, Junge. In Queer ist der Sohn alles andere als begeistert, aber die Sängerin lässt ein Nein als Antwort nicht gelten (man merkt: Das war vor Twitter und #ConsentIsSexy!): „This is what he pays me for / I’ll show you how it’s done / You’ll learn to love the pain you feel / Like father like son“. Der Refrain des Songs ist im Prinzip eine Auflistung fieser an den Sohn gerichteter Beschimpfungen, der als queer, seltsam, lahm und dumm bezeichnet wird. Wir werden wohl nie wissen, ob Shirleys „Verführungstechnik“ wirklich funktioniert. Aber wir schätzen jetzt einmal: Wahrscheinlich eher nicht?

Private Dancer - Tina Turner

„All the men come in these places / And the men are all the same … You keep your mind on the money / Keeping your eyes on the wall“. Tina Turner behauptete trotz Zeilen wie dieser einmal, schockiert gewesen zu sein, herauszufinden, dass der Text dieses Songs, der auf das Konto des berühmten Gitarristen Mark Knopfler geht, als Anspielung auf Prostitution verstanden wurde. Im Ernst, Tina? Ein kluger Soul-Superstar auf dem Höhepunkt seiner Karriere hat nicht bemerkt, dass es sich bei der beschriebenen „Tänzerin“ im Grunde um eine Prostituierte oder zumindest um eine Stripperin handeln muss? Vielleicht tat Tina auch nur unschuldig, um ihre konservativeren Fans nicht zu verschrecken. Bei der Aufnahme des Songs übernahm übrigens nicht Knopfler die Gitarrenparts, sondern Jeff Beck. Jahre später kritisierte Knopfler die Produzenten dafür, dass sie „Jeff Beck hinzugezogen haben, damit dieser das zweitschrecklichste Gitarrensolo der Welt spielt“. Oh, oh! Gitarrenlegenden, in den Ring! Marks gehässiger Kommentar wirft zudem auch die Frage auf, welches seiner Meinung nach das schrecklichste Gitarrensolo aller Zeiten war. Eine andere Nummer von Jeff Beck möglicherweise (höchstwahrscheinlich)?

Sting