Serge Gainsbourg
songs about goodbye
Je Suis Venu Te Dire Que Je M’en Vais - Serge Gainsbourg

Serge Gainsbourg war nicht wirklich ein Arsch. Er wollte nur, dass
man das dachte. Der Meisterprovokateur gefiel sich in der Rolle des notorischen Frauenhelds, in der Rolle des Mannes, der Whitney Houston im Live-TV in die Augen sah und dann zum Publikum gewandt verkündete:
„Ich will sie ficken!“ Mit seinem unglaublichen Talent und seinem Sinn
für Humor hielten die Franzosen (und viele andere) Serge Gainsbourg für
ein Genie – und seine Arroganz für berechtigt. Wenn man Je suis venu te dire que je m’en vais (1973) zum ersten Mal hört, denkt man unweigerlich an die Abschiedsworte eines Mistkerls: „Je suis venu te dire que je m’en vais / Et tes larmes n’y pourront rien changer / Comme dit si bien Verlaine au vent mauvais / Je suis venu te dire que je m’en vais“ („Ich kam, um dir zu sagen, dass ich gehe / Und deine Tränen ändern daran nichts / Wie Verlaine so schön sagte: ‚mit dem schlechten Wind‘ / Ich kam, um dir zu sagen, dass ich gehe“). Später hört man auch noch eine schluchzende Frau, die sich vermutlich fragt, wie in aller Welt sie nur ohne Serge und sein massives Ego zurechtkommen soll. Aber warum hört sich das Lied dann doch irgendwie nach ehrlichem Herzschmerz an? Steckt vielleicht mehr hinter der coolen Fassade des Sängers? Das Verlaine-Zitat stammt aus einem alten französischen Gedicht über den Tod – und wenn man bedenkt, dass Serge das Lied schrieb, nachdem er einen Herzinfarkt hatte, fragt man sich doch: Ist dieser Abschied vielleicht nicht ganz so herzlos, wie es auf den ersten Blick scheint?

Leaving on a Jet Plane - John Denver

Wir schreiben die späten 60er, der kommerzielle Flugverkehr nahm Fahrt auf, und die Luft war erfüllt von einer wunderbaren Ballade über einen Düsenjet. Das Lied wurde von John Denver geschrieben und aufgenommen, aber die bekanntere Version stammt von Peter, Paul and Mary. Als eigentlich perfekter Abschiedssong für traurige Großmütter, überrascht es ein bisschen, dass es in der zweiten Strophe um das eher heikle Thema Untreue geht: „There’s so many times I’ve let you down / So many times I’ve played around … they don’t mean a thing“. Während John Denver mit seiner Haarmatte und der runden Brille wie die Unschuld vom Lande aussah, scheint es, als habe er auch eine dunkle Seite gehabt. Bei einem Streit um Geld nach seiner Scheidung schnitt er sogar das ehemalige Ehebett mit einer Kettensäge entzwei! Bad Boy oder nicht, John wird für immer als die sanfte Stimme hinter Klassikern wie Leaving on a Jet Plane in Erinnerung bleiben. Der Song erhielt 1997 eine tragische Bedeutung: John Denver starb, als sein Einsitzer-Flugzeug ins Meer stürzte.

November Rain - Guns N’ Roses

Zeit für den ultimativen Abschiedssong. In die neun Minuten, die November Rain (1992) dauert, packten Guns N’ Roses einfach alles: gefühlvolle Klavierklänge, mitreißende Streicher, Chorgesang, gewaltige Gitarrensolos – und dann ist da noch Axls offensichtlich unglaublich einsame Seele: „… nothing lasts forever / And we both know hearts can change / And it’s hard to hold a candle / In the cold November rain“. Er scheint sich seinem Schicksal ergeben zu haben: Axl und seine Freundin haben entschieden, eine Pause einzulegen, und finden sich im metaphorischen Winter wieder, in dem sie darüber nachdenken, ob sie ihre Beziehung doch noch irgendwie retten können. Nach der Verzweiflung zu urteilen, die in der Musik spürbar wird, ist das aber eine Pause, die nie für beendet erklärt wurde. Nach fast sieben Minuten scheinen die emotionalen Qualen endlich ein Ende zu haben, dann setzt allerdings doch das Klavier wieder ein, und was darauf folgt, ist eines der großartigsten Gitarrensolos aller Zeiten. In dem wunderbar kitschigen Video sieht man Slash dabei, wie er auf einem Klavier seine Gitarre verwöhnt (natürlich nicht wortwörtlich). Angeblich stand er bei dem Videodreh einmal zufällig neben einem Crewmitglied und fragte, was eigentlich dessen Rolle am Set sei. Dieser meinte: „Ich bin der Produktionsdesigner Slash, Art Director Slash, zuständig für die Requisite …“ – Slash unterbrach ihn und meinte: „Und ich bin einfach nur Slash.“ Legendär.

Hey, That’s No Way to Say Goodbye - Leonard Cohen

Oh, Leonard, kannst du sie nicht einfach belügen? Verglichen mit anderen Trennungssongs ist Hey, That’s No Way to Say Goodbye eigentlich gar nicht so traurig. Niemand wird verlassen, es gibt keine Anschuldigungen oder wütendes Geschrei, Leonard und seine Liebste sind einfach an einem Punkt angekommen, an dem sie wissen, dass es keinen Sinn mehr macht. Der Song beginnt eigentlich ziemlich romantisch: „I loved you in the morning, our kisses deep and warm / Your hair upon the pillow like a sleepy golden storm“. Doch dann wird klar, dass das wohl der letzte gemeinsame Morgen der beiden war, denn Leonard erklärt mit sanfter Stimme, dass die Beziehung dem Ende angelangt ist (der Lauf der Dinge usw.). Während sich die Augen der jetzigen Ex mit Tränen füllen, stimmt Leonard zu, dass sich der Abschied nicht so schlimm anfühlen sollte. Leonard, tu der Frau einen Gefallen: Sag ihr, du wurdest in die Armee einberufen oder dass du jetzt Schimpansen im kongolesischen Dschungel rettest – denn mit einem Lied wie diesem zum Abschied wird sie wirklich nie über dich hinwegkommen.

Axl Rose